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“Der Kummer, der nicht spricht,
 nagt am Herzen, bis es bricht.“

  
William Shakespeare

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Waschzwang

Der Waschzwang ist dadurch charakterisiert, dass die Betroffenen sich selbst bzw. ihre Haut mit einem sehr  hohen Aufwand zu reinigen versuchen, ohne dass objektiv noch eine Verschmutzung festzustellen wäre.

Bei den meisten Betroffenen steht dabei nicht etwa der Wunsch nach einer besonderen Reinlichkeit im Vordergrund des Waschens, sondern vielmehr die massive Sorge, dass sie durch eine eigene “Verschmutzung” anderen Menschen einen Schaden zufügen könnten.

Eine sehr häufige Sorge der Betroffenen ist zum Beispiel, dass sie auf ihrer Haut noch Krankheitserreger haben könnten, und dass sie diese dann - wenn sie sich nicht ausgiebig gereinigt haben - an andere Menschen weitergeben könnten und diese dann dadurch krank werden könnten.

Andere Betroffene kennen ein ausgeprägtes Ekelgefühl bei dem Gedanken daran, dass sie selbst verschmutzt sein könnten. Der Ekel ist dann so stark, dass die Betroffenen ihn durch das ausgeprägte Waschen zu reduzieren versuchen.

Wie bei anderen Zwängen auch, hat auch der Waschzwang die Tendenz, dass er sich immer mehr ausbreitet. Während bei den Erkrankten zu Beginn des Waschzwangs vielleicht noch ein zweimaliges Händewaschen ausreicht, kann der Zwang im Verlauf einen zunehmenden Druck nach immer ausgefeilteren und komplizierteren Waschritualen aufbauen.

Viele Menschen mit Waschzwängen müssen sich dann mehrmals am Tag über mehrere Minuten mindestens die Hände waschen. Oftmals stellen sich die Betroffenen dabei ganz feste Regeln auf, wie z.B. ein unbedingtes, mehrfaches Händewaschen vor dem Verlassen der Wohnung, nach dem Berühren von Schmutzwäsche, nach dem Anfassen der Straßenschuhe usw.

Der Waschzwang wird dabei häufig auch von Zählritualen begleitet, wie zum Beispiel: Vier Spritzer Flüssigseife nehmen, dann Hände waschen und dabei innerlich bis fünfzehn zählen, erneut viermal Seife nehmen, Hände waschen und bis dreizehn zählen, abtrocknen, zweimal Seife nehmen, nochmals Hände waschen und bis fünfzehn zählen usw. Diese Zählrituale folgen dabei wieder einer eigenen Logik und sind für Außenstehenden oftmals nicht nachvollziehbar.
Weiterlesen: Zählzwang

 

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Waschzwang oder Reinlichkeit?

Viele Betroffene und Angehörige stellen sich die Frage, ob das Ausmaß, in dem sie zum Beispiel ihre Hände waschen, noch eine “normale” Reinlichkeit oder bereits ein Waschzwang ist.

Der Übergang zwischen einem großen Bedürfnis nach Reinlichkeit und einem Waschzwang ist dabei zunächst fließend, mit einem im Verlauf aber immer deutlicher werdenden Unterscheidungsmerkmal: Während ein Mensch mit einem großen Reinlichkeitsbedürfnis durch das Händewaschen das Gefühl erreicht, “sauberer” zu werden, muss ein Mensch mit einem Waschzwang immer längere und immer kompliziertere Waschrituale durchführen - ohne dass sich bei ihm das Gefühl einstellt, “wirklich gereinigt” zu sein. Stattdessen erleben viele Menschen mit einem Waschzwang den Druck, auch sofort nach dem Händewaschen nochmals nachwaschen zu müssen - obwohl ihnen eigentlich bewusst ist, dass auf den Händen keine Verschmutzung mehr sein kann.
 

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Waschzwang: Ursachen

Wie oben bereits erwähnt entsteht der Waschzwang bei sehr vielen Erkrankten aus der Befürchtung heraus, dass sie anderen Menschen durch ihre eigene “Unreinheit” einen Schaden zufügen könnten. Um nun der Ursache für den Waschzwang auf die Spur zu kommen, sollte zunächst erarbeitet werden, welche Befürchtungen die Betroffenen mit dem Waschzwang bzw. ihrer “Unreinheit” verbinden, und welche Konsequenzen sie befürchten, falls sie dem Waschzwang nicht nachgehen würden.

Erfahrungsberichte:

Andrea (34 J.):
“Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wann ich zum ersten Mal den Druck hatte, mich mehr als früher reinigen zu müssen: Meine Tochter war gerade sechs Monate auf der Welt, als mein Partner einen Mageninfekt bekommen hatte. Ich habe damals eine panische Angst bekommen, dass die Kleine sich anstecken könnte - und deswegen habe ich dann zunächst begonnen, meine Hände besonders sorgfältig zu waschen. Als die Krankheit von meinem Partner am nächsten Tag noch nicht vorbei war, habe ich dann auch den Wickelplatz und das Badezimmer mit Desinfektionsmittel gereinigt.

Das hätte, so denke ich im nachhinein, ja auch noch alles gepasst, aber schwierig wurde es, weil ich dann selbst als mein Partner wieder gesund war, immer weiter den Druck hatte, alles um meine Tochter herum besonders sauber zu halten. Ich bin dann zunächst dazu übergegangen, dass ich mir selbst vor jedem Kontakt mit der Kleinen minutenlang die Hände gewaschen habe. Die Wohnung habe ich immer gründlicher geputzt, mein Verbrauch an Desinfektionsmittel hat immer mehr zu genommen. Meine Angst, dass der Kleinen etwas passieren könnte, ist trotzdem immer größer geworden.

Ich habe dann von meinem Partner und allen anderen Besuchern verlangt, dass sie sich auch an diese “Schutzmaßnahmen” halten müssen. Mein Partner hat das auch immer mitgemacht - aber mit meiner Mutter habe ich immer wieder Ärger bekommen. Als ich einmal mitgekriegt habe, wie sie meine Tochter zur Begrüßung auf den Arme genommen hat, ohne sich vorher zu reinigen, war ich so verzweifelt, dass ich meine Mutter aus unserer Wohnung geschickt habe...

Der Streit mit meiner Mutter war dann auch das, was mich dazu gebracht  hat, eine Therapie aufzusuchen - ich habe das alles nicht mehr ausgehalten, meine Sorgen, die Streitigkeiten, und meine ständige Anspannung.

Um es Abzukürzen: Inzwischen ist meine Tochter vier Jahre alt und hat einen kleinen Bruder. Ich ertappe mich immer noch dabei, dass ich den Druck bekomme, mit dem Desinfektionsmittel durch das Kinderzimmer zu gehen, aber inzwischen schaffe ich es, diesem Zwang nicht mehr nachzugeben - auch wenn es mir manchmal schwer fällt. Ich habe in der Therapie einige andere Mütter kennen gelernt, denen es genau so geht wie mir... und ich glaube, das hat mir am meisten geholfen: Zu sehen, dass ich mit meinen Sorgen nicht alleine bin, und das es einen Weg hinaus gibt.”
 

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Waschzwang: Folgen

Der Waschzwang kann je nach Ausprägungsgrad zu sehr unterschiedlichen Folgen führen. Während ein leichter Waschzwang von den Betroffenen eventuell als lästig erlebt wird, ohne dass er zu größeren Problemen führt, kann ein schwer ausgeprägter Waschzwang sowohl zu körperlichen wie auch zu seelischen und sozialen Problemen führen.

Körperliche Folgen

Die meisten Betroffenen entwickeln im Verlauf des Waschzwangs ausgeprägte Hautprobleme, insbesondere an den Händen, da die Haut durch das häufige Waschen zunehmend trockener und rissig wird. Dies kann dazu führen, dass sich lokal Entzündungen ausbilden - wodurch bei den Betroffenen dann aber oftmals der Drang zum Reinigen noch verstärkt wird.

Seelische Folgen

Der Waschzwang führt - ähnlich wie andere Zwänge - höchstens kurzfristig zu einem Gefühl der Entlastung. Im Verlauf entwickeln die meisten Erkrankten zunehmend Gefühle der Anspannung und Hilflosigkeit. Da das Waschen im Verlauf zumeist in immer komplexeren Ritualen durchgeführt werden muss, erleben sich viele Betroffene zunehmend ihrem Zwang ausgeliefert. Diese Gefühle der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins führen nicht selten zum Auftreten von Stimmungstiefs und Depressionen.

Soziale Folgen

Ein Waschzwang fordert von den Betroffenen ein hohes Maß an Zeit und Energie. Dies kann zu nicht unerheblichen sozialen Folgen führen, denn viele Betroffene bemerken im Verlauf der Erkrankung, dass ihnen durch die komplexen Zwangsrituale nicht mehr ausreichend Zeit für die Ausübung von alltäglichen Dingen bleibt. So kann zum Beispiel das Verlassen der Wohnung mit einem so komplizierten Waschritual verbunden sein, dass sich ein Betroffener schließlich entschließt, die Wohnung lieber gar nicht mehr zu verlassen, um sich nicht dem Waschritual hingegeben zu müssen. Dies kann zu zunehmenden Einschränkungen im Beruf und zu einem immer größeren sozialen Rückzug führen. Der soziale Rückzug wird dabei oft noch dadurch verstärkt, dass viele Erkrankte ihre Waschzwang selbst als “peinlich” empfinden und sie ihn vor anderen Menschen “verstecken” wollen.
 

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Waschzwang:
Trockene Hände

Viele Betroffene kennen das Problem, dass der Waschzwang bei Ihnen zu ausgeprägten Hautbeschwerden mit sehr trockenen Händen führt.

Als Übergangslösung, bis die Therapie der Zwänge ausreichend wirkt, sollten deswegen zum Schutz der Haut nach Möglichkeit hautfreundlichen Flüssigseifen mit Angaben wie „pH-hautneutral“ oder „pH 5,5“ benutzt werden.

Zusätzlich sollten die Hände mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme gepflegt werden. Lassen Sie sich diesbezüglich am besten in Ihrer Apotheke beraten. Geeignet sind zum Beispiel Naturprodukte, die Olivenöl oder Nachtkerzenöl enthalten.

Bei besonders rissiger und entzündeter Haut werden häufig Salben eingesetzt, die zusätzlich zu den fettenden Substanzen auch Harnstoff (Urea) enthalten.

Falls die Behandlung mit einer Salbe bzw. Creme nicht ausreicht, können Sie Ihre Hände auch täglich für mehrere Minuten in einem Ölbad pflegen. Geeignet sind zum Beispiel ein Esslöffel Olivenöl, Mandelöl oder Jojobaöl, die in eine Schüssel mit handwarmen Wasser gegeben werden.
 

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Waschzwang bei Kindern

Gerade bei betroffenen Kindern stellt sich den Eltern oft die Frage: “Ist das häufige Waschen bei meinem Kind noch ‘normal’ oder liegt schon ein Waschzwang vor?”

Da jedes Kind eine ganz eigene Persönlichkeit ist, kann man diese Frage nicht mit einer “Standardantwort” beantworten, aber es gibt einige wichtige Hinweise, auf welche die betroffenen Eltern achten können:

Für einen Waschzwang spricht zum Beispiel,

  • wenn sich das Kind mehrmals täglich über einen Zeitraum von jeweils mehreren Minuten die Hände waschen muss,
  • wenn das Waschen oder Duschen mit bestimmten Ritualen verbunden ist, wie z.B. die verschiedenen Körperregionen mehrfach in einer ganz genauen Reihenfolge zu reinigen,
  • wenn das Kind unter einer sehr hohen Anspannung leidet, falls es beim Waschen gestört wird oder die Reinigung nicht “bis zum Ende” durchführen kann,
  • wenn das Kind erst nach längeren Reiniungsritualen Speisen essen kann oder das Haus verlassen kann.

Falls Sie diese oder andere Anzeichen bei Ihrem Kind bemerken und sie sich Sorgen machen, ob ein Waschzwang besteht, sollten Sie sich auf jeden Fall von einem erfahrenen Arzt oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten beraten lassen.
 

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Waschzwang: Therapie

Die Therapie des Waschzwangs besteht - wie auch bei den anderen Zwangserkrankungen - in den meisten Fällen vorrangig aus einer psychotherapeutischen Behandlung, zumeist im Rahmen einer so genannten Verhaltenstherapie.

Psychotherapie

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie hat sich zur Behandlung des Waschzwangs sehr bewährt. In der Therapie erfolgt zunächst eine Information der Betroffenen über Zwänge und  Zwangshandlungen. Häufig wird es von den Betroffenen bereits als hilfreich empfunden, zu erfahren, dass ihre Symptomatik einen Namen hat und dass es viele andere Betroffene gibt - denn viele Erkrankte haben zunächst das Gefühl “verrückt” zu werden.

Die Therapeuten erarbeiten dann gemeinsam mit den Betroffenen, was ihre Zwänge ausgelöst hat und was sie aufrecht erhält. Im Anschluss daran erfolgt im Rahmen der Verhaltenstherapie zumeist die Phase der so genannten Expositionstherapie, in welcher die Betroffenen unter Anleitung des Therapeuten lernen, sich bewusst den zwangsauslösenden Situationen zu stellen, ohne die Zwangshandlungen durchzuführen. In der Expositionstherapie machen die Betroffenen die Erfahrung, dass die Anspannung bei Unterlassen der Zwangshandlung nicht ins “Unendliche” ansteigt, sondern nach einiger Zeit abfällt. Nach einer erfolgreichen Exposition kann die zwangsauslösende Situation beim nächsten Mal meistens schon mit deutlich geringerer Anspannung aufgesucht werden als zuvor.
 

Psychodynamische Psychotherapie

Belastende Lebenserfahrungen und bewusste oder unbewusste innere Konflikte können - neben anderen Erkrankungen - auch zum Auftreten von Waschzwängen führen. Im Rahmen der Psychodynamischen Psychotherapie wird versucht, diese Ursachen der Zwänge zu ergründen und dem Betroffenen dadurch einen Weg aus den Zwängen zu ermöglichen.
 

Medikamente

Falls der Waschzwang sehr stark ausgeprägt ist, können neben der Psychotherapie eventuell auch zusätzlich bestimmte Medikamente zum Einsatz kommen, zum Beispiel die so genannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Therapie des Waschzwangs


Tab. 1: Therapie des Waschzwangs

Weiterlesen:
Zwänge: Behandlung
 

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Wenn Zwänge das Leben einengen

“Wenn Zwänge das Leben einengen”

”Wenn Zwänge das Leben einengen” von Dr. Birgit Hofmann und Dr. Nicolas Hoffmann bietet einen umfangreichen Überblick über das Thema Zwangsstörungen. Neben den verschiedenen Zwangshandlungen, wie z.B. Reinigungs-, Ordnungs- oder Sammelzwängen, werden auch Zwangsgedanken und “Grübelzwänge” sowie deren Behandlungsmöglichkeiten ausführlich beschrieben.

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Montag, 24. November 2014
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